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Geschichtliches zum Federballspiels und Badminton
Zu fast allen Zeiten kamen auf nahezu allen Erdteilen Menschen auf die Idee, die "Flugeigenschaften" eines Gegenstandes/Balles dadurch zu verbessern, dass man (nach dem Vorbild der Vögel) Federn an diesem Gegenstand/Ball befestigte. Der Ball blieb auf diese Weise länger in er Luft und flog langsamer und gezielter (siehe Pfeil und Bogen). Hieraus ergaben sich vielfältige Spiel-, Wettkampf- und gesundheitsorientierte Ertüchtigungsformen, in früheren Zeiten oftmals auch mit kultisch-rituellen Hintergründen.
Bereits um 2000 v.Chr. wurde in China das Federballspiel „Di-Dschiän-Dsi“ ausgeübt. Hierzu Wurden Federn an einem leichten ´Geldstück´ befestigt, das mit der flachen Hand geschlagen wurde. Die Regeln sind unbekannt, aber die Zielsetzungen waren Spaß, die Erhöhung der Geschicklichkeit und die Körperertüchtigung. Ein ähnliches Federballspiel spielen chinesische Einwanderer in den USA mit der Fußsohle bis heute („T´ekin“). Auf kultisch-religiöse Ursprünge geht ein Federballspiel in Indien zurück, das durch 2000 Jahre alte Höhlenzeichnungen überliefert ist. Kultisch-rituellen bzw. Unterhaltungscharakter hatte auch das japanische Federballspiel „Oibane“ seit dem 14. Jh. n. Chr., bei dem leichte, mit Samenkörnern gestopfte und mit Federn versehene Beutelchen mit Schlägern aus Zedernholz gespielt wurden. Um sich die Zeit zu vertreiben und sich an langen Markttagen arm zu halten, hielten koreanische Kaufleute mit dem Fuß einen indiacaähnlichen Federball möglichst lange in der Luft. Die dörfliche Bevölkerung spielte mit einem abgeflachten, aus gewebter Baumwolle bestehenden Ball, der mit Erde gefüllt war und an dem Fasanenfedern befestigt waren. Geschlagen wurde mit der Hand oder einem Holzschläger. Im aztekischen Raum bis hinunter nach Südamerika war ein kultisches Federballspiel verbreitet, bei dem ein federbesteckter Ball mit einem Schlagbrett, an dem der Federball mit einer Schnur befestigt war, in die Luft befördert wurde. Die Schnur wickelte sich dabei von dem Schaft des Schlagbrettes ab. Auf Zeichnungen erscheinen mächtige Geister und Dämonen als wettkämpfende Spieler. Der fliegende Ball ist bei solchen Spielen des mittel- und südamerikanischen Raumes eine Metapher für die auf- und untergehende Sonne, den Mond oder das Schicksal des Menschen. In Europa spielte man seit dem 17. Jh., von Frankreich ausgehend, in den Parkanlagen der absolutistischen Fürstenhöfe das Federballspiel „Jeu volant“. Ein mit Federn versehener (Sekt-) Korken wurde hierbei zur höfischen Unterhaltung von Adligen und Hofdamen möglichst häufig in die Luft geschlagen. Schwitzen und Laufen schickten sich bei diesem Zeitvertreib allerdings nicht. Auch am Hofe des preußischen Königs Friedrichs des Großen spielte man „Jeu Volant“. Der Rekord unter den Mitgliedern der englischen Familie Somerset stand bei dieser Spielform im Jahr 1830 bei 2117 Schlägen. Unser heutiges Badminton hat seine Urprünge im viktorianischen England. Britische Kolonialoffiziere brachten das in Indien weitverbreitete, volkstümliche Federballspiel „Poona“ 1855 nach England. Der englische Herzog von Beaufort wandelte das Spiel ab, indem er ein Netz zwischen den Spielern aufspannte. Isaac Spratt, ein Spielzeughändler aus London, publizierte dazu ein leider nicht erhaltenes Heft „Badminton Battledore – a new game“ im Jahr 1860. Es wurde nun sowohl federballartig als auch um Punkte und nach Regeln auf Sieg und Niederlage gespielt und erhielt einen ´sportlichen Charakter´, was dem ´Geist´ der aufkommenden Industriegesellschaft und ihrer Tendenz zur Normierung, zu Konkurrenz, Wettkampf und Leistungssteigerung entsprach. Dennoch war das Spiel in den ersten beiden Jahrzehnten seines Bestehens mehr eine Freizeitbeschäftigung in Garten- und Parkanlagen als ein Wettkampfsport in der Halle. Das Spiel war auch als „Brüllen und Schlagen“ bekannt. Der Herzog von Beaufort stellte das Spiel 1872 auf seinem Landsitz „Badminton House“ seinen Gästen und einer breiteren Öffentlichkeit vor. Die ersten überlieferten Regeln wurden 1883 in einem dünnen Heft mit dem Namen „Lawn Tennis, Croquet, Racquets, etc.“ veröffentlicht. Unter „et ceteras“ wurden dem „Badminton“ zehn Seiten gewidmet, das als „Rasentennis gespielt mit Federbällen anstelle von Bällen“ bezeichnet wurde. Weitere Verbreitung fand das Wettkampfspiel Badminton, als viele der badmintonbegeisterten indischen Veteranen nach England zurückkehrten und 1875 einen Offiziers-Club in Folkestone gründeten. Aus seinen Reihen heraus überarbeitete einer der ´indischen´ Badminton-Pioniere namens J.H.E. Hart 1887 die Regeln. Die ersten Clubs enstanden bereits in den 70er und 80er Jahren in den Kurorten Südenglands, hatten aber häufig ihre eigenen Regeln mit Unterschieden in der Courtgröße. Es wurden singles, doubles, trebles und quadruples gespielt. Um die Ungereimtheiten bei überregionalen Leistungsvergleichen zu beseitigen, wurde ein Treffen in Southsea Hampshire 1893 organisiert und durch die Vertreter von 14 Vereinen die „Badminton Association“ gegründet, die schnell auf über 100 Vereine anwuchs (1899 All-England-Badminton-Championships). Seit der Mitte der zwanziger Jahre fand Badminton in Nordeuropa, Nordamerika und in Asien Verbreitung. Die Dänen machten es zu ihrem nationalen Wintersport! Um internationale Wettkämpfe zu ermöglichen, wurde 1934 in England die International Badminton Federation (IBF) von England, Wales, Irland, Schottland, Dänemark, den Niederlanden, Kanada, Neuseeland und Frankreich gegründet. Seit September 2006 heißt die IBF Badminton World Federation. Seit 1949 gibt es eine zweijährlich ausgetragene Mannschafts-WM der Herren (Thomas Cup), seit 1957 die Mannschafts-WM der Damen (Uber Cup), seit 1989 die gemischte Mannschafts-WM von Damen und Herren gemeinsam. 1992 in Barcelona wurde Badminton olympische Sportart. Seit 1977 finden alle zwei Jahre im jährlichen Wechsel mit den Europameisterschaften Weltmeisterschaften im Einzel, Doppel und Mixed statt. Lange Zeit waren England und Dänemark die leistungsmäßig führenden Länder. In den fünfziger Jahren begann der Aufstieg der asiatischen Badminton-Nationen (Indonesien, China, Malaysia, Korea), die inzwischen die internationalen Turniere beherrschen. Nur Dänemark (unter anderem mit seinem langjährigen legendären Spitzenspieler Morten Frost) mit seinem professionellen Talentsichtungs- und Fördersystem und ansatzweise die Niederlande und Schweden haben den Anschluss an die Weltspitze gehalten. In Asien ist Badminton an Schulen, in Internaten und Clubs ein weitest verbreiteter Breiten- und Hochleistungssport mit professioneller Organisation. Bei World-Cup-Turnieren oder Weltmeisterschaften im feuchtheißen Klima des asiatischen Raum haben europäische Spitzenspieler vor häufig mehr als 10.000 fanatischst tobenden Zuschauern in der Regel weder physisch noch mental große Erfolgschancen. Wenn Indonesien und Malaysia aufeinandertreffen, ähnelt die Hallenatmosphäre einem Tollhaus. In Deutschland verbreitete sich Badminton mit einiger Verzögerung. 1950 brachte ein deutscher Geschäftsmann von einer Geschäftsreise nach Dänemark sowohl die Anregung zum Badmintonspiel als auch die notwendige Ausrüstung mit. 1951 gründete sich der erste deutsche Badmintonverein in Bonn, die Gründung des Deutschen Badminton-Verbandes folgte 1953. Abgesehen von vereinzelten Erfolgen Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre konnte das deutsche Spitzen-Badminton lange Zeit nicht mit den Spitzenmannschaften in Europa und der Welt konkurrieren. Durch einen systematischen und durchdachten Leistungssportaufbau von der Jugend an aufwärts hat Deutschland insbesondere bei den Damen den Anschluss an die europäische Spitze und sogar an die Weltspitze in den letzten Jahren gefunden (Junioren- EM/WM-Erfolge; EM-Medaillen). Mit die größten Erfolge in letzter Zeit waren:
• 2005 WM in Anaheim, Kalifornien: Bronzemedaille der Deutschchinesin Xu Huaiwen • 2006 Team-EM in Thessaloniki: Herrenteam Silber, Damenteam Bronze • 2006 EM in Den Bosch: Xu Huaiwen Europameisterin im Einzel, Juliane Schenk Bronze; Nicole Grether & Juliane Schenk Silber im Doppel • 2006 Uber Cup (Team-WM Damen) in Tokio: Damenteam Bronze • 2006 WM in Madrid: Petra Overzier und Xu Huaiwen Bronze im Dameneinzel.
Die seit 1971 eingleisige Bundesliga ist zudem seit einigen Jahren die stärkste Vereinsliga der Welt. Aufgrund von zunehmend professioneller Organisation und Sponsoring spielt eine Vielzahl internationaler Spitzenspieler in deutschen Bundesligavereinen. Bis hinunter zu den Kreisligen werden bei einer Liga-Vereinsbegegnung jeweils 8 Spiele ausgetragen: 3 Herreneinzel, 1 Dameneinzel, 2 Herrendoppel, 1 Damendoppel, 1 Mixed. Dennoch zeichnet sich in Deutschland eine insgesamt positive Entwicklung des Badmintonsports auf unterschiedlichen Ebenen ab. Seit 1979/80 wurde Badminton in den offiziellen Schulsport-Lehrplänen und Sport-Rahmenrichtlinien der Bundesländer erlassmäßig verankert; 1995/96 beteiligten sich über 18.000 Schüler/innen am Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“. In einigen Bundesländern ist Badminton dabei, Volleyball und Basketball als meistgewählte Oberstufen-Ergänzungs- und Schwerpunktsportart den Rang abzulaufen. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, hat die Lehrerfortbildung in NRW einen ihrer Schulungsschwerpunkte auf den lange Jahre universitär unzureichend betreuten Bereich Badminton gelegt. In der Summe seiner Eigenchaften ist Badminton/Federall in Deutschland inzwischen als Freizeit-, Breiten- Leistungs- und Schulsport anerkannt.
Badminton - ist relativ leicht erlernbar, - ermöglicht bereits nach einigen Übungsstunden physiologisch erwünschte körperliche Belastungsintensitäten, - besitzt hohen Aufforderungs- und spielerischen Erlebnischarakter, - verfügt als Einzel, Doppel und Mixed über vielfältige sozialintegrative Möglichkeiten, - ist als genormter Wettkampf gegeneinander (Badminton) und als gestaltbares und (hinsichtlich Spielraum und Spielidee) variierbares Partnerspiel miteinander (Federball) durchführbar, - ermöglicht wie kaum eine andere Sportart koedukative Vermittlungs- und Spielformen, - erlaubt über Handicap-Vorgaben Wettkämpfe zwischen Spielern unterschiedlichen Leistungsvermögens, - erfordert einen geringen organisatorischen, materiellen und finanziellen Aufwand, - ist als Federballspiel im Garten, am Strand, im Freibad und auf der Straße in besonderem Maße freizeitrelevant, - ist eine Life-Time-Sportart von der Kindheit bis ins hohe Alter.
Verantwortliche Verbandsfunktionäre bringen den Boom der Schulsportart Badminton in eine wechselseitige Verbindung mit den seit den achtziger Jahren lange Zeit hohen Zuwachsraten der inzwischen in etwa 2.700 Vereinen organisierten 218.000 BadmintonspielerInnen (Stand 2006). Wie viele andere Sportverbände hat allerdings auch der DBV seit einigen Jahreng mit Stagnationstendenzen zu kämpfen. Viele Badmintonvereine sind organisatorisch und konzeptionell in ihrem quantitativen und qualitativen Angebot noch nicht ausreichend auf den Boom der Schulsportart Badminton eingerichtet: „Da viele Schüler nach den Sportstunden weiterhin Badminton spielen möchten, viele Badmintonvereine gerade in Ballungszentren aber einen Aufnahmestop für Neumitglieder haben, ist der Gang in die kommerziellen Freizeitcenter vorprogrammiert.“. Die kommerziellen Sportanbieter und Multisportcenter haben Badminton seit Ende der achtziger Jahre zunehmend in ihr Angebot aufgenommen, mit dem weite, vom Vereinssport nicht angesprochene Bevölkerungskreise erfasst werden. Schätzungen des DBV gehen von 3 Mill. badmintonaktiven Freizeit- und Breitensportlern in etwa 350 kommerziellen Badminton- oder Multisport-Anlagen in Deutschland aus. Geselligkeit, Spaß und Fitnessgedanke stehen hier stärker im Vordergrund als in vielen eher technik- und wettkampforientierten Badmintonvereinen, obwohl sich auch in kommerziellen Anlagen „Center-Ligen“ für unterschiedliche Spielstärken gebildet haben und relativ teure Einzel- und Gruppen-Trainingsstunden angeboten werden. Dem neuen ´Beach´-Trend entsprechend hat sich 1998 ein „Deutscher Verband für Beachminton“ gebildet (Badminton auf verkleinerten Sandfeldern). Die teure Neuanlage von bodenbeheizten Beach-Sand-Feldern mit Palmen und Soft-Drinkatmosphäre findet allerdings im kommerziellen Bereich der Freizeit-Markwirtschaft statt . Die Beachminton-Entwicklung geht vom süddeutschen Raum aus.
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